Knapp zwei Jahre bis LA 2028: Vom Kennenlernen zur Detailarbeit Der Österreichische Segel-Verband war im Vorjahr einer von nur wenigen Verbänden, die sich für einen Trainingsaufenthalt in Los Angeles entschlossen haben. Damals diente die rund einmonatige Anwesenheit dem ersten Kennenlernen der beiden olympischen Wettkampforte sowie dem Sammeln von Wetter- und Strömungsdaten. Für 2026 hat der OeSV entschieden, das Trainingslager auf einen größeren Zeitraum auszudehnen. „Der lange Aufenthalt war extrem gut und wichtig. Man kann nie lange genug im Olympiarevier trainieren. Die Philosophie, sich im Olympiarevier zuhause zu fühlen, steht für uns an erster Stelle – gerade, weil österreichische Segler:innen im Vergleich zu Nationen wie Spanien, Italien oder Frankreich weniger Segelstunden unter vergleichbaren Bedingungen sammeln können. Es geht aber nicht darum, wie lange wir hier waren. Entscheidend ist, ob wir die gesammelten Informationen am Ende besser nutzen können als die Konkurrenz“, erklärt Sportdirektor Matthias Schmid. Durch unterschiedliche Aufenthaltszeiten der Athlet:innen, Betreuer:innen und OeSV-Expert:innen sei ein Zeitraum von beinahe drei Monaten abgedeckt gewesen. „Im Vorjahr ging es noch um das Kennenlernen, heuer um das Verstehen. Der Fokus war vielfältig: Material, Bewegungslehre, Meteorologie, Strömung, Technologie, Taktik und Strategie – es war eine lehrreiche und erfolgreiche Zeit.“ „Wenn alle wissen, wo es hingeht, entscheiden die Details“ Das Olympiarevier präsentiert sich laut Schmid vergleichsweise berechenbar: „Der Wind ist sowohl in Long Beach als auch vor San Pedro meist stabil, viele Muster sind für alle Athletinnen und Athleten früh erkennbar. Wenn alle wissen, wo es hingeht, entscheiden die Details. Um am Ende erfolgreich zu sein, musst du aber auch jene Situationen erkennen, in denen es anders läuft. Genau diese Details wollen wir besser verstehen als die anderen“, erklärt Schmid. Gute Starts und entsprechende Bootsgeschwindigkeit werden relevanter sein als bei vielen Spielen davor. „Es wird viel um den Speed gehen – und damit muss das Material perfekt auf die Bedingungen eingestellt werden. Unser gesamtes Technologie-Team, mit Roman Hagara an der Spitze, aber auch Nico Delle Karth und Meteorologin Elena Cristofori, arbeitet akribisch an unterschiedlichen Optimierungsmöglichkeiten. Wir haben in unserem Technologie-Projekt unglaublich viel Know-how angesammelt und genau dieses Wissen hilft uns enorm, das Material Stück für Stück Richtung Perfektion zu bringen“, weiß Schmid. Eine weitere Besonderheit erwartet die Olympiateilnehmer:innen bei den Race-Areas: Die Kurse können entweder innerhalb – hier bahnt sich vor allem für die Fans eine atemberaubende Kulisse an – oder außerhalb des Hafenbeckens gelegt werden. „Auf welcher Regatta-Bahn du segelst, kann von Tag zu Tag variieren. Dieses Wechselspiel, weil die Bedingungen innerhalb und außerhalb sehr unterschiedlich sind – wir haben etwa Kursverlegungen von nur 100 Metern gehabt und komplett andere Strömungsdaten erhalten –, wird die Athletinnen und Athleten fordern. Hier alle Details zu verstehen, ist einer der größten ‚Takeaways‘ des Aufenthalts.“ Fortschritte im Laufe der Regatten Während des LA-Aufenthalts haben Formula Kite-Olympiasieger Valentin Bontus, das 49er-Duo Keanu Prettner/Jakob Flachberger und die beiden Nacra 17-Teams Laura Farese/Matthäus Zöchling und Lukas Haberl/Clara Stamminger einen hochwertigen Vergleich mit der Konkurrenz absolviert. Dabei holte die OeSV-Equipe drei Top-10-Platzierungen. „Eine Regatta ist immer relevant. Noch wichtiger ist für uns aber, was wir daraus lernen, mitnehmen und in weiterer Folge verbessern können. Im Laufe der Regatten haben wir deutliche Fortschritte gesehen – das war sehr positiv und zeigt gleichzeitig, wie wichtig jede zusätzliche Stunde in diesem Revier für uns ist. Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen, wissen aber sehr genau, woran wir arbeiten müssen“, resümiert der OeSV-Sportdirektor. Die 49er-Vizeweltmeister Prettner/Flachberger werden im September noch einen letzten Trainingsblock in Los Angeles absolvieren und die bestehende Trainingsfacility nutzen. „Wir haben hier einen eigenen Standort mit Zugang zum Wasser bis zu den Spielen. Die Infrastruktur und Organisation sind perfekt – wir können hier in allen Aspekten hervorragend arbeiten“, schließt der Sportdirektor. Container und Material werden anschließend an die letzte Trainingseinheit aus Zollgründen wieder ins Bundesleistungszentrum Neusiedl am See verschifft.