Olympiasieger Bontus führt dezimiertes OeSV-Team in WM-Woche Die Formula Kite-Elite hat für die Weltmeisterschaft 2026 ihre Zelte im portugiesischen Viana do Castelo aufgeschlagen. Ab Montag duellieren einander 52 Racer in 20 Rennen – vier Wettfahrten mehr als zuletzt bei den Sailing Grand Slam-Regatten – um die Teilnahme an der Medal-Series der Top-10 am Samstag. Für Olympiasieger Valentin Bontus, der mit den Plätzen drei (Palma de Mallorca) und sechs (Hyères) einen erfolgreichen Einstand in seine Comeback-Saison hingelegt hat, und den Großteil seiner Konkurrenten ist das Revier an der Atlantikküste Neuland. „Ich bin das erste Mal hier in Viana do Castelo. Die Bedingungen erinnern ein wenig an nördlichere Spots, etwa in Den Haag“, sieht der Athlet vom Yachtclub Podersdorf Ähnlichkeiten mit jener Location, an der 2023 mit WM-Platz vier und dem Nationenticket für Olympia sein Stern aufgegangen war. Coaches-Regatta für letzten Feinschliff Bontus ist bereits seit Sonntagabend vor Ort und feilt am richtigen Set-up: „Das Wasser ist doch anders als zuletzt vor Palma und Hyères – vor allem am Foil werden wir hier Adjustierungen vornehmen müssen.“ Diese trifft der Olympiasieger in Abstimmung mit Materialtechniker Michele Saponara. Der Italiener ist seit November 2022 Teil des OeSV-Technologie-Projekts und bei diesem Event ebenfalls dabei. Letzte Schlüsse, „um gut dabei zu sein“, will der Niederösterreicher noch aus einer dreitägigen Coaches-Regatta ziehen. Dort legt er auch den Fokus auf sein Startverhalten, mit dem er zuletzt in Frankreich nicht vollauf zufrieden war: „Ich muss noch mehr ‚reinhackeln‘ am Start, mehr Routine reinbekommen und öfters auch das Messer zwischen die Zähne nehmen – dann bin ich auch besser dabei.“ Als Ziel gibt der 25-Jährige die Teilnahme an der Medal-Series der besten zehn Racer aus – und dann soll es Richtung Medaille gehen. „Wenn ich es in die Top-10 schaffe, dann weiß ich, dass ich die Chance habe, gut abzuliefern – und dann werde ich alles rausholen, was geht.“ Sein bislang bestes WM-Ergebnis war Bronze 2024. Quiberon beherbergt Titelkämpfe der Katamaran- und Skiffklassen Die olympischen Disziplinen Nacra 17, 49er und 49erFX bestreiten ihre Titelkämpfe im französischen Quiberon. Österreich ist in zwei Klassen mit zwei Booten vertreten. Laura Farese/Matthäus Zöchling treten im Nacra 17 an, Keanu Prettner/Jakob Flachberger stellen sich der Konkurrenz im 49er. Die Regatta startet am Dienstag und läuft bis Sonntag. Neue Segel, neue Chance Farese/Zöchling wollen ihren Ausrutscher von Hyères mit Platz 17 umgehend korrigieren. Dafür zieht das Duo vom Union Yacht Club Neusiedlersee, das Rang neun als bestes WM-Ergebnis auf der Habenseite hat, ein neues Segel auf, denn bei der Grand Slam-Regatta vor drei Wochen stellte sich heraus, dass die burgenländische Paarung wohl einem Produktionsfehler ausgesetzt war. „Wir waren an zwei Tagen ultra-langsam, gleich wie die Briten und Türken. Alle drei Segel haben am Wasser gleich schlecht ausgesehen. An Land, nachdem wir alles nochmal nachgemessen und geprüft haben, haben wir dann die fünfstelligen Seriennummern kontrolliert und festgestellt, dass sie nacheinander produziert wurden – das könnte der Grund für unsere Probleme gewesen sein“, erzählt Steuerfrau Laura Farese. Neben dem neuen Segel setzte das Duo in der Vorbereitung auf intensives Durchtesten der Foils: „Hier herrschen teilweise Bedingungen, in denen eigentlich alle Teams gut fahren können – trotzdem entstehen große Geschwindigkeitsunterschiede. Gerade dann spielen die Foils eine entscheidende Rolle. Deshalb haben und werden wir bis zur Deadline sämtliche Daten sammeln, um die Oberfläche quasi ‚last minute‘ entsprechend zu bearbeiten“, gibt auch Steuermann Matthäus Zöchling Einblicke in die Vorbereitung. Das WM-Ziel der beiden ist der Einzug in den Schlusstag, „im Bestfall mit einer realistischen Chance auf eine Medaille. Es wird eng, aber wir sind davon überzeugt, dass wir das schaffen“, weiß Laura Farese. Weiterhin keine Startberechtigung für Haberl/Stamminger Österreichs zweites Nacra 17-Team mit Lukas Haberl und Clara Stamminger hat auch für die Welt- und Europameisterschaften 2026 vorerst keine Startberechtigung. „Bei Clara Stamminger ist der Nationenwechsel nach wie vor nicht vollzogen worden und demnach kann sie bei Europa- und Weltmeisterschaften nicht für Österreich starten. Dieser Prozess kann sich noch bis kommenden Sommer hinziehen – aktuell ist aber bestätigt, dass ein Antreten bei der WM 2027 sicher ist, da die dreijährige Frist vor den Titelkämpfen in Gdynia abläuft. Dennoch arbeitet der Verband intensiv daran, hier entsprechend früher ein positives Ende zu schaffen“, erklärt OeSV-Sportdirektor Matthias Schmid. Die 23-Jährige startete bis Juli 2024 noch für Frankreich und wurde 2023 Junioren-Weltmeisterin. „Einser-Segel“ für Prettner/Flachberger Auch das 49er-Duo Keanu Prettner und Jakob Flachberger, die beiden Salzburger treten erstmals im WM-Revier an, nehmen für eine erfolgreiche WM einen Materialwechsel vor. „Wir werden unser ‚Einser-Segel‘ aufziehen – das soll uns nochmal einen Boost für erfolgreiche Titelkämpfe geben“, weiß Steuermann Prettner. Die EM-Vierten aus dem Vorjahr erwarten in Quiberon Verhältnisse, die ihnen liegen sollten. „Es schaut nach Mittel- bis Starkwind mit mehr als zehn Knoten aus und eher flachem Wasser, keiner großen Welle. Das sind grundsätzlich Bedingungen, die uns in die Karten spielen“, weiß Vorschoter Flachberger. Die beiden Athleten vom Union Yacht Club Wolfgangsee peilen, obwohl sie zuletzt in Hyères den Cut für die Goldflotte verpassten, eine Top-10-Platzierung an. „Die letzte Regatta hat in keiner Weise unser tatsächliches Leistungsniveau widergespiegelt. Die Verhältnisse lagen uns nicht, wir hatten kein Glück und haben zu viele Fehler gemacht. Die WM wird besser werden – davon sind wir überzeugt“, schließt Prettner. Donner/LaFrance-Berger verpassen WM verletzungsbedingt Rosa Donner und Marion LaFrance-Berger haben ihre Nennung bei den Titelkämpfen zurückgezogen. Donner zog sich am dritten Wettkampftag in Hyères eine Gelenkfraktur im linken Mittelfinger zu. In Abstimmung mit dem OeSV-Ärzteteam wurde entschieden, die WM nicht zu bestreiten. „Natürlich ist es bitter, die Titelkämpfe absagen zu müssen – aber wir haben einen langfristigen Plan und keine kurzfristigen Ziele. Das Risiko einer Folgeverletzung oder den Heilungsprozess zu verlangsamen, war einfach zu groß, deswegen war es die richtige Entscheidung. Wir haben nun unseren Trainingsplan umstrukturiert und die für nach der WM vorgesehenen Kraft- und Ausdauereinheiten vorgezogen. Dadurch nehmen wir nur minimale Einschnitte in unserem großen Ganzen vor – und können dann auch früher wieder auf das Wasser zurückkehren“, so Donner. Die 22-Jährige absolviert ihre Physioeinheiten aktuell im Olympiazentrum Kärnten. Für Mitte des Monats ist ein weiteres Röntgen und eine Abstimmung mit ihrem behandelnden Handchirurgen geplant. Erst dann wird über einen möglichen Comeback-Zeitpunkt entschieden. Formula Kite Weltmeisterschaft Viana di Castelo, Portugal (11. – 16. Mai 2026) Valentin Bontus >>> Ergebnisse Nacra 17 & 49er Weltmeisterschaft Quiberon, Frankreich (12. – 17. Mai 2026) Laura Farese/Matthäus Zöchling (Nacra 17) Keanu Prettner/Jakob Flachberger (49er) >>> Ergebnisse >>> Live-Stream an den letzten drei Tagen